Reitkunst für

Islandpferde

Stufe 2: Stellung und Biegung

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Durch das Senken des Kopfes erhält das Pferd die Möglichkeit seinen Kopf richtig zu platzieren. Man nennt das Stellung. Die Rotation des Atlasflügels als Teil des Genicks ist dafür die Voraussetzung. Macht sich das Pferd im Hals eng, wird die Ohrspeicheldrüse gequetscht und das Pferd widersetzt sich. Meist geschieht das, indem es sich verwirft, das heißt, die Ohren sind nicht mehr auf einer Höhe und der Kopf wird schief gehalten.

Bei richtiger Stellung setzt sich die Rotation durch die gesamte Wirbelsäule bis zur Hüfte fort. Der Mähnenkamm springt nach innen um, die Körperinnenseite zieht sich zusammen, die Außenseite wird gedehnt und die innere Hüfte senkt sich und kommt etwas nach vorne. Die richtige Position der Hüfte spiegelt sich in der korrekten Stellung wieder und umgekehrt.

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Stellung und Biegung im Stehen (Kurs mit Bent Branderup in Mannheim)

Arbeitet man dann in der Bewegung an der Biegung (z. B. durch Longieren oder Volten), so kann das Pferd durch diese Form der Wirbelsäule den inneren Hinterfuß weiter unter seine Körpermasse setzen. Unterstützt werden kann das durch den inneren Schenkel oder die Gerte. Es wird in dem Moment treibend eingewirkt, wenn der innere Hinterfuß abfußt. Dadurch fördert man, wie schon beim Vorwärts-abwärts, den Vorgriff der Hinterhand und verhindert einen zu weiten Rückschub. Gleichzeitig wird der Rumpf des Pferdes in Rotation nach außen versetzt. Dies verbessert die Beweglichkeit der Schulter (Schulterfreiheit) und leitet über zum Schulterherein. Umgekehrt kann auch das manuelle Lösen der Schulter die Stellung unterstützen.

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Manuelles Lösen der Schulter und Halsbasis - die Stellung ergibt sich von allein 

Bei Islandpferden, die von Natur aus viel Schubkraft, aber wenig Tragkraft besitzen, hat man häufig das Problem, dass die Hüfte nach oben geht, wenn der entsprechende Hinterfuß vorgreift (Thomi Haag nennt das "Holzbein"). Dies hängt mit der Steifheit in den Gelenken der Hinterhand zusammen. Je besser das Pferd lernt, die Hanken zu biegen, umso mehr wird auch die Hüfte beim Vorgriff abgesenkt.

Die Arbeit an Stellung und Biegung sollte man gleichmäßig auf jeder Hand durchführen. Auf einer Hand (oft die hohle Seite des Pferdes genannt) fällt dem Pferd die Biegung leichter, auf der anderen Hand (der steifen oder falsch-hohlen Seite) schwerer. Es wird vermutet, dass diese natürliche Schiefe des Pferdes durch die zusammengerollte Position des Pferdeembryos im Mutterleib entstanden ist. Ziel der akademischen Ausbildung ist es, diese Schiefe mit der Zeit aufzuheben, indem beide Körperseiten zum Dehnen oder Kontrahieren angeregt werden. Es ist nicht sinnvoll, verstärkt auf der „schlechten“ Seite zu arbeiten, sondern gleichmäßig auf beiden Händen. Auf der "guten" Seite lernt das Pferd, die Übung korrekt auszuführen und merkt zumindest auf einer Hand, dass diese Übung eigentlich ganz leicht ist. Dies lässt sich dann auf die andere Seite übertragen.

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Stellung und Biegung mit Führen von vorne

 

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Später nimmt das Pferd Stellung und Biegung durch die Anlehnung am äußeren Zügel ein (Trainingstag mit Alexandra Bohl in Fischerbach)

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(Text, Zeichnung: Anja Rut Hebel, Foto1: Anja Hebel, Foto 2: Sophia Hardorp, Foto 3: Susanne Waltersbacher)